HWS - Verletzungen häufige Fälle -

 

 Dr. Axel Heublein - Argumente zum KFZ-Recht   ©

 


 

                                            

 

      HWS - Schleudertrauma

     

Kaum ein Wort wird so falsch gebraucht wie der Begriff HWS - Schleudertrauma. Man liest vor allem in  Klagen und Aufsätzen immer wieder, dass der oder die Verletze ein HWS - Schleudertrauma erlitten habe. Bezeichnenderweise hört damit auch die Beschreibung der Verletzung/en auf und man  schildert ausführlich die Behandlung dieses "Schleudertraumas". Besonders bedauerlich ist es, dass man  diesen Begriff zuweilen auch in ärztlichen Berichten liest. Tatsächlich handelt es sich nicht um ein Verletzungsbild, sondern um die Beschreibung eines Unfallmechanismus. 

 

    Aus einem Gutachten der berufsgen. Unfallklinik Murnau vom  Dezember 1999.

    

".. ganz allgemein ist festzustellen, dass die Beschreibung (gemeint ist HWS - Schleudertrauma) eines  wohl  definierten Unfallmechanismus als Diagnose fälschlicherweise verwendet wird. Dieser Begriff ist zur  Definition eines Körperschadens nicht geeignet, weil es zu einer Vermischung von Unfallmechanismus und  Verletzungserfolg kommt, was keineswegs unproblematisch ist"   (hwsdefinition)                  

 

     Nackenkopfbeschwerden 

 

    Aus einem Gutachten Dr. Kleinschmidt 1997:  

" Nacken-Kopfbeschwerden können aus einer Vielzahl unterschiedlicher Ursachen entstehen, zu niedriger Blutdruck. Auch stereotype Kopf-Oberkörperhaltungen, wie man es bei Schreibpersonal sehr oft findet, führen geradezu regelhaft zu schmerzhaften Nackenmuskelverspannungen mit Kopfschmerzen bis hin zum migräneartigen Typ."

Aus einem Gutachten der Universität Heidelberg 1998,  (hwsmattern.rtf)

"Das Problem bei der Zuordnung solcher Beschwerden bei einem Unfallereignis liegt darin, dass derartige Beschwerden auch aus  anderen Anlässen, beispielsweise bei sportlicher Betätigung, bei Zug gegen die Halswirbelsäule oder auch bei schlechtem Liegen während   des Schlafes zustande kommen und einige Tage Schmerzen bereiten können. Zweifel an der Unfallkausalität sind darin zu sehen, dass  Verzögerungen von 1 bis 2 m/sec im Quadrat am Fahrzeug in der Größenordnung alltäglicher Belastungen liegen. Es ist höchst zweifelhaft,  ob eine solche Fahrzeugschwerpunktverzögerung am Kopf überhaupt wahrgenommen wird, wenn sich der Insasse passiv verhält"    (Unterstreichung nicht im Original).

Muskelhartspann, Steilstellung, Bewegungseinschränkung der HWS usw.

Aus einem Gutachten Universität Erlangen-Nürnberg, April 1999     (hwsbetz.rtf)

"Krankheitswertige Beschwerden im Sinne einer HWS - Distorsion sind Folge einer akuten traumatischen Belastung der Halswirbelsäule, die bedingt wird durch eine abrupte Relativbewgung zwischen Schädel und Rumpf. Abhängig von der Anstoßkonstellation wird der Rumpf beschleunigt - bei der Heckkollision z. B. über den Kontakt mit dem Fahrersitz nach vorne -, wo hingegen der Schädel aufgrund der ihm eigenen Massenträgheit zunächst an der ursprünglichen Position zu verharren sucht und zeitlich etwas verzögert folgt. Ist diese Relativbewegung zwischen Schädel und Rumpf entsprechend ausgeprägt, so kommt es zu Scherkräften zwischen den Wirbelkörper, die gege- benenfalls zu Irritationen u. a. der Nackenmuskulatur bzw. zu anderen typischen Beschwerden führen können.

Die Problematik der Begutachtung sog. HWS-Distorsionstraumata liegt darin, dass bei den "leichteren" Ausprägungsgraden objektiv fassbare Befunde wie z. B. röntgenologische Veränderungen fehlen. so handelt es sich - dies sollte leicht nachvollziehbar sein - bei der Angabe von Schmerzhaftigkeit ausschließlich um subjektive Angaben des Betroffenen. Auch die "Feststellung" eines Muskelhartspanns unterliegt der subjektiven Bewertung der Untersucher, genauso wie die einer  Beweglichkeitseinschränkung der Halswirbelsäule, die vom Untersuchten theoretisch durchaus aktiv mitgestaltet werden kann. Auch die vielfach von behandelnden Ärzten angegebene Steilstellung der Halswirbelsäule ist kein objektiver Beleg für eine traumatische Einwirkung gegen die HWS, da derartige HWS-Befunde auch in einem hohen Prozentsatz nicht verunfallter Individuen festgestellt werden können.

Zusätzlich kompliziert wird die Begutachtung dadurch, daß vergleichbare Beschwerden auch unfallunabhängig infolge von Belastungen des alltäglichen Lebens auftreten können. Aus den genannten Gründen muss zur objektiven Beurteilung eines eventu­ell gegebenen Kau­sal­zu­sam­men­hangs zwischen einem Unfallereignis und einem geltend gemachten - und in der Regel nicht objektivierbaren - Beschwerdebild auf ei­nen nachprüfbaren Parameter zurückgegriffen wer­den. Da die krankheitswertige Symptomatik hervorgerufen wird durch die Relativbewegung zwischen Schädel und Rumpf und deren Dynamik wiederum bestimmt wird von der anstoßbedingten Geschwindigkeitsänderung, die das betroffene Kfz im Rahmen des gegenständlichen Unfalls erfährt, hat sich diese Größe als biomechanisch einzig relevanter Parameter herausgebildet.

Nach Durchführung zahlreicher Untersuchungen wie auch unter Einbeziehung sog. Realunfälle hat sich bei der unerwarteten Heckkollision ein Grenzwert von ca. 13 km/h herausgebildet, ab welchem leichte Beschwerden im Sinne einer HWS-Distorsion frühestens auftreten können, aber keinesfalls auftreten müssen.

Bei der erwarteten Kollision, bei welcher infolge der visuellen Wahrnehmbarkeit des unmittelbar bevorstehenden Unfallereignisses eine unwillkürliche, reaktive Anspannung der Muskulatur und damit auch eine Stabilisierung der Halswirbelsäule auftritt, wird dieser Grenzwert deutlich höher, nämlich mit ca. 20 km/h angegeben. Bei Abfassung der genannten Grenzwerte wurden Faktoren wie z. B. ungünstige Kopf- und Sitzposition wie auch leichte degenerative Vorschädigungen der Halswirbelsäule bereits berücksichtigt "

                                              


Code:hwsbeschwerden.htm        Letzte Bearbeitung: 19.02.2006 21:24  

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